Kunstgeschichte: Mesopotamien
German (Deutsch) translation by Elisabeth Prott (you can also view the original English article)
Wir begrüßen Sie herzlich zu unserer Reihe zur Kunstgeschichte! In diesem Artikel werden wir uns nach der prähistorischen Ära nun Mesopotamien widmen, dem Geburtsort der menschlichen Zivilisation! Mit dem Entstehen von strukturierten Siedlungen entwickelte sich das Bedürfnis nach Kommunikation und zwar nicht nur in der Kunst sondern auch in schriftlicher Form. Man kann sagen, dass hier die Geschichte tatsächlich begonnen hat, dank der schriftlichen Aufzeichnungen, die uns Auskunft über die damalige Kultur geben.



Sumer
Sumer ist als die erste Zivilisation im südlichen Mesopotamien (der heutige Irak) bekannt und als die Kultur, die als erste ein Schriftsystem in dieser Region entwickelte. Die entwickelte Keilschrift ist auf vielen Steintafeln zu finden und stammt aus der Zeit um 3500 v. Chr.



Im Gegensatz zum Proto-Schreiben, mit dem sich Historiker auf Symbole beziehen, die keine sprachlichen Elemente enthalten, entwickelte sich die Keilschrift von Piktogrammen zu einer abstrakten Formsprache, die es den Menschen in Mesopotamien ermöglichten, zu kommunizieren und ihr Leben und ihre Ideen aufzuzeichnen. Die Keilschrift wurde noch bis um 100 n. Chr. verwendet. Dann wurde sie allmählich durch die in ganz Eurasien aufkommende Schrift mit Buchstaben ersetzt.
Die Keilschrift gilt als die größte Errungenschaft der sumerischen Zivilisation, und ihr verdanken wir es, dass die Historiker einen so umfassenden Einblick in die Kultur und Kunst Mesopotamiens erhalten haben.
Uruk und Reliefskulpturen
Uruk war eine der wichtigsten Städte in Sumer und hat der frühen Periode der mesopotamischen Kultur ihren Namen gegeben. Die Kunst dieser Zeit bestand zum Großteil aus Töpferkunst und Skulpturen.
Ein bekanntes Beispiel ist die Warka Vase, ein Alabastergefäß, das mit vier verschiedenen Designs verziert wurde. Die ersten drei Ebenen bestehen aus Mustern, die um die Vase herum angeordnet sind. Unten sieht man Pflanzen, in der Mitte Tiere und auf der dritten Ebene Männern, die Schalen und Gläser tragen. Der oberste Teil der gesamten Vase zeigt eine Szene mit Inanna (auch bekannt als Ishtar), der Göttin der Liebe, Fruchtbarkeit und Kriegsführung.



Ein weiteres Beispiel aus dieser Zeit ist der Uruk-Trog. Wie die Warka Vase ist auch dieses dekorative Kunstwerk eine Form der narrativen Reliefskulptur. Die Künstler haben ihre Entwürfe so in Stein, oder in diesem Fall in Gips, gemeißelt, dass der Eindruck entsteht die Designs würden aus dem Hintergrund hervorspringen oder wären auf dem Objekt aufgebracht.



Die Künstler haben die Negativformen so weggemeißelt, dass nur noch die positiven Formen übrig blieben. Die Reliefkunst stellte zwar eine mühsame Arbeit dar, aber sie überlebte die Jahrhunderte besser, da sie nicht so zerbrechlich war wie eine freistehende Skulptur, weil das Relief mit der gesamten Struktur verankert war.
Kunst der Frühdynastischen Zeit
Interessanterweise schenkte uns die Frühdynastische Zeit (2900-2350 v. Chr.) viele Votivstatuen und Skulpturen von Gottesanbetern und Priestern. Typischerweise trugen diese Figuren Röcke oder Kleider und hielten die Hände zusammengelegt oder gefaltet vor der Brust. Die Gesichter variierten nicht sehr stark, aber die Frisuren bei den Frauen und einige der Kleidungstücke oder Dinge, die von den kleinen Figuren gehalten wurden zeigen starke Variationen.



Zu dieser Zeit wurde Kupfer für Skulpturen immer beliebter. Ein großartiges Beispiel findet sich auf dem Königlichen Friedhof von Ur: Widder in einem Dickicht. Auf die Gefahr hin, zu viel persönliches zu schreiben, ist dies eine der schönsten Skulpturen, die ich je gesehen habe, während meiner Reise durch die Kunstgeschichte.
Als die Skulptur Widder in einem Dickicht entdeckt wurde war sie komplett plattgedrückt und musste sorgfältig restauriert werden. Sie hatte damals einen inneren Kern aus Holz, aber der verrottete mit der Zeit. Der Archäologe Sir Leonard Woolley entdeckte die Skulptur (eigentlich ein Paar Skulpturen) und nachdem er sie mit Wachs zusammengehalten hatte während der Ausgrabungen, musste er die Skulptur vorsichtig wieder in ihre ursprüngliche Form bringen.



Für die Skulptur wurden eine Vielzahl von Materialien verwendet. Auf den hölzernen Untergrund wurde Blattgold aufgebracht, während die Ohren aus Kupfer waren. Das Fell an seinem Körper war aus Muscheln, während das Fell auf seinen Schultern und seine Hörner aus Lapislazuli bestanden. Hervorzuheben ist, dass die Figur auf einem Sockel steht, der mit einem Mosaik aus Muscheln, Lapislazuli und rotem Kalkstein verziert ist.
Das Thema Mosaik führt uns zu einer weiteren frühdynastischen Arbeit, der "Standarte von Ur". Dieses Bildwerk zeigt Geschichten von Krieg und Frieden aus Lapislazuli und Muscheln. Wie auch bei dem zuvor erwähnten Widder wurden diese Mosaike auf Holz geklebt und überlebten daher nur in Fragmenten. Woolley und sein Team sind für die Wiederherstellung des Bildwerks verantwortlich; sie verwendeten Wachs, um vorsichtig kleine Teile des Mosaiks zu entfernen, bis sie es nach bestem Wissen und Gewissen wieder zusammensetzen konnten.



Aufgrund der Verwendung von Materialien wie Steinen, Metallen und Muscheln sind viele Kunstwerke bis heute erhalten geblieben. Obwohl Holz ein gängiges Material gewesen sein mag, verrottet es mit der Zeit und verlor seinen Stellenwert im Laufe der Geschichte.
Akkadische Kunst
Das Akkadische Reich bestand ca. von 2271-2154 v. Chr. In dieser Zeit beherrschte die Akkadische Kultur Mesopotamien und wir werden uns jetzt ihre Beiträge zur Kunstgeschichte ansehen. Es ist nicht verwunderlich, dass sich die Kunstwerke bei einer Kultur, die große Gebiete erobert hat, auf Könige, Herrscher und ihr Reich konzentrieren. Das war im Akkadischen Reich nicht anders. Die nachfolgend zu sehende Skulptur zeigt einen akkadischen König und wurde aus Bronze gefertigt.



Auch die Leistungen und Errungenschaften der Könige wurden künstlerisch verewigt. Eine Stele ist eine große Steinplatte (sie kann auch aus Holz sein), die als Denkmal oder Gedenkstein errichtet wird. Die "Siegesstele von Naram-Sin" ist eine Reliefschnitzerei, die etwa 1,80 Meter hoch ist und König Naram-Sin von Akkad darstellt, der sein Volk mit einem Stierhornhelm auf dem Kopf zum Sieg führt.



Dieses Kunstwerk ist in sofern von besonderer Bedeutung, da es den König mit einem Helm zeigt, der bisher den Göttern vorbehalten war. Wenn man dazu dann noch die Positionierung des Königs innerhalb der Schnitzerei betrachtet, sieht man hier ein hervorragendes Beispiel in dem ein Anführer als göttliche Gestalt darstellt wird. Diese Art der Darstellung war in der gesamten Menschheitsgeschichte weit verbreitet.
Assyrische Kunst
Wir wenden uns jetzt den Assyrern zu, eine weitere Kultur deren Kunstwerke sich auf die Darstellung von Siegen, dem Heer und seinen Herrschern konzentrierte. Das Besondere an dieser Zeit, die von 1500 v. Chr. bis etwa 612 v. Chr. andauerte, war der Schwerpunkt auf der Realisierung großer, auffälliger Kunstwerke, die ihre öffentlichen Gebäude und Paläste schmückten.



Ein großer Fokus wurde auf die Darstellung von Tieren und deren Merkmalen gelegt. Kleinste Details wurden in den Reliefschnitzereien dargestellt wie z. B. Krieger, die auf ihren Pferden in den Kampf ritten. Einen bemerkenswerten Beitrag zur Kunstgeschichte stellt das Werk "Geflügelter Genie" dar, welches aus Reliefschnitzereien besteht, die einen Mann mit Flügeln zeigen. Wie schon die Akkadier vor ihnen sollen assyrische Herrscher diese Kunstwerke als Darstellungen ihrer eigenen Göttlichkeit in Auftrag gegeben haben. Der einzige Unterschied zu Darstellungen von Königen sind bei diesem Genie die Flügel.
Später beeinflussten diese geflügelten Männer die griechische Kunst während ihrer archaischen Periode und führten zu so bekannten mythologischen Kreaturen wie Chimäre, Pegasus, Greif und Talos.
Babylonische Kunst
Wie bewegen uns nun weiter in der Geschichte zu den Babyloniern. Wenn man an die Babyloniern denkt, denkt man an eines der sieben Wunder der Antike: die hängenden Gärten von Babylon. Da die hängenden Gärten leicht zu zuerstören waren, existieren nur Bilder und schriftliche Aufzeichnungen über die Gärten, aber leider keine aus erster Hand.



Die schriftlichen Aufzeichnungen beschreiben die Gärten als große mehrstöckige Konstruktion, die ein gebirgsähnliches Aussehen hatte, bepflanzt mit Bäumen, Reben, Sträuchern und Pflanzen aller Art. Da diese Berichte jedoch Hunderte von Jahren später entstanden oder verlorene Texte zitieren, könnten die Gärten genauso assyrisch wie auch babylonisch gewesen sein oder ganz und gar ein Mythos.



Ein weiteres berühmtes Zeugnis der babylonischen Kultur ist das Ishtar-Tor. Im Gegensatz zu den Hängenden Gärten wissen wir definitiv, dass das Ishtar Tor existiert hat, dank Ausgrabungen im 20. Jahrhundert. Das Ishtar-Tor, ein Teil der babylonischen Mauer, wurde um 575 v. Chr. unter der Herrschaft von Nebukadnezar II. errichtet.



Das Tor, das einst als eines der sieben Wunder der Antike galt (die Mauern von Babylon wurden auf der Liste durch den Leuchtturm von Alexandria ersetzt), ist mit glasierten Ziegeln geschmückt, die Drachen, Löwen und Stiere darstellen umrandet von blauglasierten Ziegeln. Die Tiere verweisen auf die Gottheiten der Babylonier (Ishtar, Adad und Marduk). Es heißt, das Tor sie Teil einer Route für Prozessionen, die zum Tempel von Marduk, dem Hauptgott von Babylon, führte.
Zusammenfassung
Mit der Entwicklung und dem weit verbreiteten Gebrauch von Schriftsystemen wurde der Rahmen geschaffen, den wir als Betrachter der Vergangenheit brauchen, um die Kultur und den Lebensstil unserer Vorfahren zu verstehen. Von Reliefskulpturen über Kupfer bis hin zu großen Gebäuden und Bauwerken zu Ehren von Herrschern und Göttern - die Kunst befand sich in voller Blüte im Fruchtbaren Halbmond.
Dies sind nur einige Highlights aus diesen Epochen. Unsere Spezies blickt auf eine lange Geschichte des künstlerischen Schaffens und dies ist nur ein kleiner Einblick in die Kunst Mesopotamiens. Nächstes Mal reisen wir nach Westen, ins alte Ägypten!
Möchten Sie mehr über Mesopotamien erfahren? Dann schauen Sie sich die nachfolgenden Links an!