Kunstgeschichte: Das antike Griechenland
German (Deutsch) translation by Elisabeth Prott (you can also view the original English article)
Wir begrüßen Sie herzlich zu unserer Reihe zur Kunstgeschichte! Vom alten Ägypten bewegen wir uns nach Norden, über das Mittelmeer nach Griechenland! Die Heimat von unverwechselbarer Töpferkunst, von großartigen Skulpturen und Säulen, so vielen Säulen, hat einen großen Einfluss auf die Geschichte und viele moderne Kulturen gehabt. Ich gebe Ihnen nun einen Überblick über die bedeutendsten Beiträge der Griechen zur Kunstgeschichte.



Töpferkunst
Im Gegensatz zu den anderen Artikeln dieser Reihe werden wir uns auf verschiedene Kunststile konzentrieren, anstatt chronologisch vorzugehen. Wir werden mit der Töpferei beginnen. Wir kennen Keramik bereits aus Mesopotamien und dem alten Ägypten. Da es in der Zeitachse gewisse Überschneidungen zwischen diesen Kulturen gibt, werden Sie einige Ähnlichkeiten in Bezug auf Stil und Struktur feststellen.
Diese oft sehr detailliert bemalten Gefäße bestanden größtenteils aus Terrakotta und waren sehr langlebig. Das Corpus Vasorum Antiquorum hat über 100.000 Keramikobjekte dokumentiert, die heute in privaten und öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt zu finden sind.
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Die griechische Keramik lässt sich in zwei Kategorien einteilen: Skulpturen und nützliche Gefäße. Man kann den Verwendungszweck eines Gefäßes an seiner Form erkennen oder zumindest versuchen die Historiker ihr Bestes dies zu tun. Zu den Verwendungszwecken und Formen auf die man sich geeinigt (aber nicht beschränkt) hat, gehören: Amphoren zur Aufbewahrung und zum Transport, Krater zum Mischen von Wein und Wasser, Kylix oder Tasse und Aryballos für Parfüm.
Während einige Stücke sehr schlicht gestaltet sind, weisen andere aufwendig gestaltete Verzierungen auf. Diese Verzierungen entwickelten sich im Laufe der Zeit, vom protogeometrischen Stil (1050-900 v. Chr.) mit seinem minimalen Design bis zum geometrischen Stil (900-770 v. Chr.) mit seinen Dreiecken, die überall auf Gefäßen verwendet wurde. Nach dem geometrischen Stil kam der orientalisierende Stil (725-625 v. Chr.) dank des Einflusses von Kleinasien. Tiere, mythisch und real, vereinten sich mit gemalten Motive in die Mitte der Gefäße.



Als nächstes folgt der bekannteste Keramikstil des antiken Griechenland: die schwarzfigurige Vasenmalerei (620-480 v. Chr). Wenn es um Kunstgeschichte geht, bin ich ziemlich begeistert von der Entwicklung des figurativen Werkes im antiken Griechenland. Die Griechen erreichten eine gewisse Perfektion in ihrem Verständnis der Anatomie, und wenn man sich die schwarze Figurenkeramik ansieht, kann man diese Entwicklung nachvollziehen.



Die Technik, mit der dieser unverwechselbare Stil geschaffen wurde, bestand darin, eine Vase mit Tonschlicker zu bemalen, der nach dem Brennen des Tons schwarz wird. Große Teile der Entwürfe wurden mit einem Pinsel "gemalt ", während Details und Linien in den Ton geritzt wurden, damit das Gefäß durchschimmern konnte.
Das eigentlich Faszinierende geschah während des Brennvorgangs. Bei 800°C wurde die Vase rot-orange und dann bei 950°C, mit geschlossenen Lüftungsschlitzen im Ofen, um den Sauerstoff zu entziehen, wurde die Vase schwarz. In der letzten Phase wurden die Schlitze wieder geöffnet und die Vase wurde dank der Zufuhr von Sauerstoff wieder rot-orange mit Ausnahme der "bemalten" Teile, die schwarz blieben. Wie gesagt, es ist Magie (oder Wissenschaft).
Skulpturen
Wie bei der Entwicklung der Töpferei konzentrierten sich die Griechen bei ihren Skulpturen letztlich auf große figurative Arbeiten. Darüber hinaus wurden die Skulpturen aus verschiedenen Gründen gefertigt, wie beispielsweise für Kunstwerke, öffentliche Denkmäler oder Opfergaben. Man kann die Geschichte der Bildhauerei in drei Phasen unterteilen: Archaisch, klassisch und hellenistisch. Wie in diesem ganzen Artikel beschränken wir uns auf die Höhepunkte der Geschichte, obwohl es noch so viel mehr zu berichten gäbe.
Archaische Skulpturen
Möglicherweise von Skulpturen aus Ägypten und Mesopotamien inspiriert, wurden diese figurativen Werke in Stein gemeißelt. Die am weitesten verbreiteten Sujets waren nackte Jünglingsfiguren, bekleidete Mädchen und sitzende Frauen. Obwohl die Skulpturen in puncto Genauigkeit im Vergleich zu späteren Arbeiten grob erscheinen, zeigen auch schon diese Figuren ein besseres Verständnis der Anatomie als in anderen Kulturen zu diesem Zeitpunkt der Geschichte. Wie in anderen Kulturen hatten auch hier viele Werke eine religiöse Bedeutung.



Da die Gottheiten meist menschlich aussahen, konnte man sich bei den Skulpturen sehr detailliert auf den menschlichen Körper konzentrieren, ohne dass es zu einem Konflikt mit der Gottesverehrung kam. Diese Einstellung zeigte sich in anderen Kulturen, aber nicht im antiken Griechenland.
Klassische Skulpturen
Diese Periode wird oft als revolutionär bezeichnet im Hinblick auf die Fähigkeiten der griechischen Bildhauer. Die anatomischen Proportionen wurden korrekt dargestellt, und die Körper waren geschmeidig und realistisch, wenngleich die Darstellungen idealisiert waren (so viele Sixpacks - diese Statuen waren wirklich fit). Es ist dieser große Schritt von figurativen Darstellungen hin zu menschlichen Skulpturen bei denen man sich fragt: "Ist das ein Mensch in Bronze?"



In dieser Zeit schmückten Reliefskulpturen die Außenwände der Tempel. Leider sind nur noch wenige Fragmente davon erhalten. Eine weitere interessante Entwicklung ist die personalisierte Darstellung von Grabskulpturen. Während der archaischen Phase waren die Skulpturen eher steif und archetypisch. In dieser Phase wurden reale Menschen dargestellt wie Verstorbene und Familienmitglieder.
Es sind solche Veränderungen zusammen mit dem Fokus auf den Realismus, die zeigen wie sehr sich der Humanismus in der klassischen Periode entwickelt hat. Das spiegelt sich auch im Gesamtbild wieder wenn man die Kultur, die öffentliche Verwaltung und die Regierungsbildung des antiken Griechenlands betrachtet.
Hellenistische Skulpturen
Unsere dritte und letzte Periode ist die hellenistische Phase. Wie schon in der vorangegangenen Phase wurde die Skulpturen immer naturalistischer. Alltagsmotive wie Menschen aus dem gewöhnlichen Volk und Tiere wurden immer beliebter. Diese Motive wurden ausdrucksstärker und dynamischer dargestellt.



Der Jockey von Artemision ist ein gutes Beispiel dafür: Das Pferd ist in Bewegung und das Kind, das auf dem Rücken sitzt, lehnt sich nach vorne. Es sieht eher aus als ob sie erstarrt sind als dass es eine Skulptur ist. Von den Muskeln des Pferdes bis hin zu den zerzausten Haaren des Kindes ist alles in Bewegung und für immer in Bronze festgehalten.
Eine der berühmtesten Skulpturen aller Zeiten, die Venus von Milo (Aphrodite von Milos), entstand in dieser Zeit. Der Koloss von Rhodos, eine massive 30 Meter hohe Statue, entstand ebenfalls um diese Zeit herum, wie viele andere große Skulpturen auch. Leider wurde der Koloss von Rhodos bei einem Erdbeben im Jahr 226 v. Chr. zerstört.
Münzen



Während die Griechen die Verwendung von Münzen als Zahlungsmittel zwar nicht erfunden haben, haben sie ihre Verwendung definitiv vorangetrieben und das Design der Währung für die folgende Geschichte beeinflusst. Runde Metallscheiben mit einer bedeutenden Persönlichkeit oder einem Gott im Profil auf der einen Seite und zusätzlichen Informationen oder Designs auf der Rückseite - wenn man sich die Münzen ansieht, gibt es keinen großen Unterschied zu den heute noch verwendeten Münzen.
Architektur
Wie würden die Regierungsgebäude auf der ganzen Welt ohne den Einfluss der griechischen Architektur aussehen? Ohne diese prächtigen Säulen! Ich vermute, dass viele Regierungsgebäude keine Säulen haben, aber sehr viele haben Säulen, und das verdanken wir den Griechen.
Wenn man über die griechische Architektur redet, beginnt man in der Regel in der klassischen Periode oder später. Davor wurden viele Gebäude aus Lehmziegeln gebaut und sind im Laufe der Zeit zerstört worden (wie so viele andere Kunstwerke). Über die griechische Architektur gibt es viel zu sagen, aber da unser Fokus auf der Kunst liegt, werden wir uns den Säulen widmen, die in der Neuzeit zu einem dekorativen Element geworden sind.



Es gibt drei klassische Säulenarten im antiken Griechenland: Dorisch, ionisch und korinthisch. Dorische Säulen waren typischerweise breiter und kürzer als die beiden anderen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Formen lagert das Fundament im Boden. Das Kapitell (das oberste Stück einer Säule) war relativ schlicht und wurde oben etwas breiter.
Ionische Säulen sind gekennzeichnet durch Kapitelle mit seitlich eingerollten "Schnecken". Wahrscheinlich haben Sie genau diese Säulen vor Augen, wenn Sie an griechische Säulen denken. Die korinthischen Säulen schließlich sind die prächtigsten mit einer Vielzahl an Blumen, Blättern und sogar kleinen Figuren an ihren Kapitellen. Dieser Stil wurde auch in Rom verwendet und führte zu anderen Einflüssen in der römischen Architektur.
Malerei
Einige der verbreitetsten Formen der Malerei im antiken Griechenland waren die Tafel- und die Wandmalerei. Die Tafelbilder wurden auf Holzplatten in Enkaustik (Wachs) oder Tempera gemalt. Wie schon in den Epochen davor waren viele Gemälde figurativ. Leider sind nur sehr wenige davon erhalten geblieben. Die Wandmalereien waren meist Fresken, Gemälde, die im frischem, nassem Putz angefertigt wurden.



Es gibt schtiftliche Dokumentationen aus dieser Zeit über die Tafelbilder und die Künstler. Eine Serie von Tafelbildern, die Pitsa-Tafeln, sind erhalten geblieben und zeigen die künstlerischen Fähigkeiten zu der Zeit des Altertums. Die Tafeln sind Holzplatten, die mit Stuck und mit mineralischen Pigmenten bemalt wurden. Sie zeigen religiöse Szenen, die sich um Nymphen drehen.
Nach Meinung von Historikern waren diese Tafeln Votivgaben. Wie ein Großteil der Kunst in der Geschichte ist auch dies ein Beispiel für Kunst, die der Gottesverehrung dient.



Wandmalereien wurden an Gebäuden angebracht und als Grabschmuck eingesetzt. Wie bereits erwähnt sind viele Gebäude im Laufe der Zeit zerstört worden und mit ihnen die Wandmalereien. Die Malerein, die die Zeit überlebt haben, befanden sich oft auf Gräbern, wie z.B. das "Grab des Tauchers".
Zusammenfassung
Das antike Griechenland hat einen großen Einfluss auf die Geschichte gehabt von der Kermik über die Skulpturen bis hin zur Architektur und der Kultur im Allgemeinen. Der Einfluss Griechenlands auf das antike Rom ist bemerkenswert und damit werden wir uns als nächstes in dieser Reihe beschäftigen. Wir werden in unserer Reihe auch sehen, dass im Laufe der Kunstgeschichte künstlerische Bewegungen die Errungenschaften der Griechen wieder entdeckten.
Dies ist nur ein kleiner Eindruck der fantastischen künstlerischen Leistungen der Griechen. Weitere Informationen finden Sie in diesen Büchern und auf den folgenden Internetseiten:
- Griechische Kunst und Archäologie (5. Auflage)
- Archaische und klassische griechische Kunst (Oxford History of Art)
- Griechische Kunst
- Kunst Geschichtsquellen: Antike griechische Kunst
- Antikes Griechenland: Von der prähistorische bis zur hellenistischen Zeit, zweite Ausgabe
Quellenangaben: