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Kunstgeschichte: Die Römische Antike

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This post is part of a series called A Beginner's Guide to Art History.
History of Art: Ancient Greece
History of Art: Byzantine and Islamic Art

German (Deutsch) translation by Elisabeth Prott (you can also view the original English article)

Willkommen zurück zu unserer Reihe zur Kunstgeschichte! Vom antiken Griechenland wenden wir uns jetzt der recht vertrauten Kultur im antiken Rom zu. Von der Töpferei über die Bildhauerei bis hin zur Architektur wurde die römische Kunst stark von der griechischen, etruskischen und ägyptischen Kunst beeinflusst. Wir werden uns einige der wichtigsten Aspekte und Themen der römischen Kunst ansehen.

Augustus of Prima PortaAugustus of Prima PortaAugustus of Prima Porta
Augustus von Prima Porta. Bild von Till Niermann

Bildhauerei

Der Hauptgrund, warum es einen solchen starken Einfluss Griechenlands gibt, liegt in der militärischen Stärke Roms. Wie man im Laufe der Geschichte immer wieder feststellen kann, wird die Kultur der Eroberer oft durch die Kultur des Gebietes oder Volkes beeinflusst, welches erobert wurde. Als die Römer die hellenistische Welt eroberten, entstanden in Rom Skulpturen im hellenistischen Stil. Ein weiterer interessanter und ziemlich schrecklicher Aspekt in Bezug auf diesen Einfluss ist, dass im 2. Jahrhundert v. Chr. die in Rom arbeitenden und lebenden Bildhauer Griechen waren, die vom römischen Militär versklavt wurden.

Original römisches Design findet man in den Gräbern bürgerlicher Römer. Das Hauptaugenmerk lag auf Porträts und Büsten, worin die Römer besonders gut waren und worüber wir mehr erfahren werden, wenn wir zu ihren Gemälden kommen. Nur sehr wenige Skulpturen dieser Art aus dieser Epoche haben die Jahrhunderte überlebt.

Capitoline BrutusCapitoline BrutusCapitoline Brutus
Brutus

Eine Büste jedoch, die dieser Zeit zugeordnet wird (wir befinden uns etwa im 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr.), stellt Lucious Junius Brutus dar, den Gründer der Römischen Republik höchstpersönlich. Die in Bronze gegossene Büste besitzt Augen, die aus einem anderen Material gearbeitet wurden. Das kommt bei erhaltenen Kunstwerken nicht sehr häufig vor, entweder weil einzelne Stücke zerbrochen sind, weil Edelsteine und andere Materialien (wie Elfenbein oder Marmor) gestohlen wurden oder weil die Augen geschnitzt oder gegossen und einfach nur bemalt wurden.

Relief sculpture on the Arch of ConstantineRelief sculpture on the Arch of ConstantineRelief sculpture on the Arch of Constantine
Reliefskulptur auf dem Konstantinsbogen. Abbildung von Radomil.

Steinskulpturen, Reliefskulpturen und andere Ausprägungen dieser Kunstform wurden bis etwa zum 2. Jahrhundert n. Chr. erschaffen, bis der klassische Stil der römischen Kunst abgelöst wurde. Das einst fantastische Verständnis von Anatomie, räumliches Vorstellungsvermögen und die große Geschicklichkeit beim Erschaffen von Kunst wurde durch riesige Augen und strenge Formen und Ecken ersetzt. Bei dem Konstantinsbogen sieht man diese Entwicklungen in Teilen seiner Reliefskulpturen sehr gut (wobei der griechisch-römische Einfluss immer noch durchgehend vorhanden ist).

Malerei

Die Römer waren begeistert von der Malerei und brillierten in dieser Kunstform. Leider hat jedoch ein großer Teil der römischen Malerei aufgrund von Naturkatastrophen (allen voran Pompeji), Krieg und dem Zahn der Zeit nicht überlebt. Bei den erhaltenen Werken gibt es jedoch eine Vielzahl an Themen: Landschaften, Porträts, Stillleben und eine Vielzahl von Genreszenen.

Pompeii PainterPompeii PainterPompeii Painter
Pompeji Maler

Landschaftsgemälde sind eine römische Erfindung. Es ist schon komisch, für wie normal und alltäglich Landschaftsbilder heutzutage gehalten werden; im alten Rom waren sie revolutionär!

Es ist der Entwicklung von Perspektive zu verdanken (weit entfernt von dem, was wir heute darstellen können), dass das Interesse an Landschaften als Thema in der Kunst enstand. Auch wenn sie in Bezug auf die Perspektive und die Ausführung ungenau waren, zeigten die Landschaftsbilder alles von städtischen Szenen der damaligen Zeit bis hin zu mythologischen Landschaften aus beliebten Geschichten der damaligen Zeit.

Boscotrecase Pompeii Third styleBoscotrecase Pompeii Third styleBoscotrecase Pompeii Third style
Boscotrecase, Pompeji. Dritter Stil

Römische Porträts, vor allem solche auf Tafeln, galten als höhere Kunstformen als die Wandmalereien (die oft um einiges populärer waren, da sie die Wände vieler Gebäude in Pompeji in den Häusern wohlhabender Bewohner schmückten).

Es sind nur noch wenige Gemälde auf Holztafeln erhalten, aber diese bringen den Kleidungsstil und die Charakteristika ihrer Modelle wunderbar zur Geltung bringen. Ein Mumienporträt (Fayumporträt), eine bemalte Tafel, die während der koptischen Zeit in Ägypten (etwa im 3. und 4. Jahrhundert während der römischen Herrschaft) den Mumien beigelegt wurde, zeigt eine modische Frau, die in einem naturalistischen Stil mit Ringellocken und Schmuck gemalt wurde.

Fayum Woman in ringletsFayum Woman in ringletsFayum Woman in ringlets
Fayum. Frau mit Ringellocken.

Eine Maltechnik, die wir in dieser Reihe zur Kunstgeschichte noch nicht thematisiert haben, ist die des Goldglases. Auch als Zwischengoldglas bekannt, bestand diese Technik darin, eine Schicht Blattgold zwischen angeschmolzenen Glasschichten zu platzieren. Interessanterweise waren die meisten Designs dieser Technik eher klein, da sie für den Boden von  Weingläsern oder Bechern verwendet wurde. Diese Goldglasböden wurden zur Verzierung von Gräbern in den Katakomben von Rom verwendet.

Gold Glass painting Possibly Galla Placidia with her childrenGold Glass painting Possibly Galla Placidia with her childrenGold Glass painting Possibly Galla Placidia with her children
Goldglasgemälde. Vermutlich Galla Placidia mit ihren Kindern.

Genreszenen waren ein weiteres Thema in der Malerei. Ob es sich um die militärischen Triumphe der damaligen Zeit handelte oder um die Darstellung von Römern in ihrer Freizeit, die erhaltenen Gemälde oder sogar Beschreibungen davon in alten Texten sind unglaublich interessant, da sie sich auf vorwiegend menschliche Angelegenheiten konzentrieren (obwohl einige Gemälde auch Götter bei Freizeitaktivitäten darstellten).

Architektur

Beim Städtebau taten sich die Römer besonders hervor. Die Römer setzten Beton mit großem Erfolg bei vielen ihrer großen Bauwerke wie dem Pantheon ein. Die römische Architektur war langlebig, im Gegensatz zu vielen anderen Kunstformen bis zu diesem Zeitpunkt. Viele römische Gebäude wurden im Laufe der Zeit zu Kirchen oder für andere Zwecke umgebaut.

The Pantheon in RomeThe Pantheon in RomeThe Pantheon in Rome
Der Pantheon in Rom. Bild von Roberta Dragan.

Diese Gebäude mit ihren beeindruckenden Bögen und ihrer Konstruktion bestanden jedoch nicht nur aus Beton. Sie waren mit einer Vielzahl von Materialien verkleidet, darunter Marmor, Gips, Ziegelstein, Stein und mehr. Dekorative Elemente wie Skulpturen oder vergoldete Details machten diese Gebäude zu ihrer Zeit zu einem wahren Wunderwerk.

Wie viele andere wertvolle Kunstwerke wurden diese Materialien jedoch im Laufe der Zeit gestohlen, so dass nur das Betonskelett übrig blieb. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Konstantinbasilika.

Kleine Künste

Unser letztes Thema für diesen kurzen Einblick in die Kunst des alten Rom ist die der "kleinen Künste" oder das Sammelsurium anderer Kunstformen, die nicht so weit verbreitet waren oder aus anderen Kulturen stammten. Dabei handelte es sich zumeist um dekorative Künste, die als Luxus betrachtet wurden, obwohl einige Dinge wie Terrakotta-Figuren eher alltäglich waren. Römische Keramik wurde im Gegensatz zu den bemalten Gefäßen ihrer griechischen Gegenstücke mit geformten Reliefstücken verziert.

Blacas Cameo of AugustusBlacas Cameo of AugustusBlacas Cameo of Augustus
Blacas Kamee des Augustus

Zu den luxuriösen Künsten gehörte die Glasherstellung, einschließlich Kameenglas, das wie gravierte Edelsteine und Steinschnitzereien aussehen sollte. Wundervoller Weise wurde der Kunststil des Kameenglases im Laufe der Jahrhunderte weitergeführt. In der römischen Ära wurden die Designs durch Ätzen eines Motivs auf geschmolzene Glasschichten erschaffen. Dies geschah mit weißem Opakglas, was den unverwechselbaren Kameen-Stil ausmachte.

Naples National Archaeological Museum Alexander MosaicNaples National Archaeological Museum Alexander MosaicNaples National Archaeological Museum Alexander Mosaic
Neapel, Archäologisches Nationalmuseum, Alexander Mosaik.  Bild von Berthold Werner.

Mosaiken gehörten bis zum späten 4. Jahrhundert n. Chr. zu den kleinen römische Kunstformen, bis die Christen sie für große religiöse Wandbilder verwendeten. Bei den Römern hingegen verzierten Mosaike die Böden, die Wände (vor allem solche, die nass werden konnten, wie z.B. Badezimmer) oder die Decken.

Interessanterweise waren die meisten signierten Mosaikstücke mit griechischen Namen versehen. Das bedeutet normalerweise, dass sie von griechischen Künstlern oder Sklaven in römischen Werkstätten geschaffen wurden. So sehr ich die Kunst auch feiern möchte, ist es wichtig, die Geschichte dieser Kunst zu kennen und sich klar zu machen, dass viele Künstler keine Kunst um der Kunst willen erschaffen haben, wie Sie oder ich es heute tun.

Zusammenfassung

Wie schon die Ägypter und Griechen vor ihnen leisteten die Römer einen großen Beitrag zur Welt der Kunst und zu vielen modernen Kulturen. Wir werden in den kommenden Epochen sicherlich noch die Einflüsse von Rom und Griechenland sehen. Ich hoffe, dass Sie etwas mehr über die römische Kunst gelernt haben.

Klicken Sie auf die Links unten, um weiterführende Informationen zu erhalten, und schließen Sie sich mir im nächsten Monat an, wenn wir mehr über die islamische und byzantinische Kunst erfahren.

Diese Quellen wurden ebenfalls in diesem Artikel berücksichtigt: